Moneyland
Noah dreht einen Film. Kritisch soll er werden, denn kritisch waren seine Dokumentationen, in denen er der Gegenwart auf den Zahn fühlt, schon immer. Dieses Mal hat er sich weit rausgewagt. Mitten in der Wüste trifft er Ava Park zum Interview, 15 Meter tief unter der Erde auf der Baustelle ihres neuen Luxus-Bunkers. Ava ist Tech-Milliardärin und Gründerin von Atlas Analytics, ein Unternehmen, das Militär und Polizei mit geostrategischer Software versorgt. Ihre Programme analysieren gigantische Datenmengen und sagen die Handlungen des Feindes voraus. Das hat der libertären Unternehmerin nicht nur Freunde beschert. Noahs Tochter June, idealistische Antifaschistin, steht unter Verdacht, an einem Attentat auf sie beteiligt gewesen zu sein. Für Noah entwickeln sich die Dreharbeiten im Bunker zu einem Höllentrip zwischen den Stühlen, in dem seine Werte auf die Probe gestellt werden und seine Sinneswahrnehmung zwischen Realität und Fiktion verrückt spielt. Die Lage eskaliert endgültig, als die Bunker-KI Samantha voraussagt, dass Noah ein Verbrechen an Ava begehen wird. Wer trifft hier jetzt noch die Entscheidungen? Wie verschiebt sich die Machtfrage durch den Eingriff der KI? Wie legitim ist Gewalt, die auf Gewalt antwortet, die nur vorausgesagt wurde? Das neue Stück von Alexander Kerlin widmet sich auf faszinierende Weise den Abgründen digitaler Kriegsführung und erkundet die neuen Bündnisse zwischen Techkapitalismus und rechter, autoritärer Politik.
IS THIS REAL? — Interview von Dramaturgin Viola Köster mit Autor Alexander Kerlin
- Regie Kay Voges
- Bühne Daniel Roskamp
- Kostüm Mona Ulrich
- Lightdesign Thomas Tarnogorski
- Dramaturgie Lidia Polito und Viola Köster
- Videoart Mario Simon, Max Schweder und Jan Isaak Voges
- Sounddesign Mario Simon
- June Louisa Beck
- Billy Nikolaus Benda
- Noah Benjamin Höppner
- Ava Bettina Lieder
- Tara Lavinia Nowak
- Rechtsanwältin Giulia Bauer
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MONEYLAND verhandelt mit faszinierenden digitalen Effekten brennende Themen der Zeit. Gegenwartsdramatik, dicht an den aktuellsten Ängsten und Diskursen, kühl und stylish in Szene gesetzt mit brillanter digitaler Videotechnik, die nie als Selbstzweck eingesetzt wird.
Geht ans Eingemachte.
[Kerlins Text wird] unterstützt von wahrhaft überwältigenden Videobildern, die Max Schweder, Mario Simon und Jan Isaak Voges generiert haben.
Eine durchaus packende Grundsatzdebatte.
Beeindruckend, wie greifbar hier die großen Themen der Gegenwart verhandelt werden.
Kerlin, im Hauptberuf Chefdramaturg am Kölner Schauspiel, erzählt die Geschichte in Rück- und Vorblenden, erzeugt so Krimispannung [...] und verhandelt trotzdem in nur anderthalb Stunden die drängendsten Punkte – vom Predictive Policing bis zur von manchen Protagonisten geradezu herbeigesehnten KI Apokalypse.